Sind wir allein zu Fuß unterwegs, beschleicht die ein oder andere auf manchem Weg ein mulmiges Gefühl – nicht nur bei Dunkelheit. Damit wir unser Ziel sicher erreichen, gibt etwas Gesellschaft und emotionale Unterstützung uns den vielleicht entscheidenden Rückhalt.

Das Heimwegtelefon – ein treuer Wegbegleiter
Foto: Heimwegtelefon

Heimwegtelefon: Im Einsatz, wenn es dunkel ist – für unsere Sicherheit

Ist die Sonne untergegangen und wir laufen ohne Begleitung durch die Straßen, kann die Strecke bis zur Haustür ganz schön lang werden. Diese Erfahrung haben auch zwei Berlinerinnen gemacht, die mit dem Heimwegtelefon den Nerv der Zeit treffen und uns mit ihrem Angebot wohlbehalten durch die Nacht geleiten möchten.

Frances Berger und Anabell Schuchardt haben die Hotline im Herbst 2014 ins Leben gerufen und seitdem ständig weiterentwickelt. Das Konzept ist einfach und gut: Sind wir allein unterwegs, wählen wir die Nummer 030 / 120 74 182 und sind umgehend mit einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter verbunden. Ihm oder ihr geben wir unseren aktuellen Stand- sowie den Zielort durch und unterhalten uns anschließend, bis wir wohlbehalten zu Hause ankommen. Auch Kommunikationsmuffel müssen keine Sorge vor endlosen Monologen haben. Die Helfer sind es gewohnt, das Gespräch zu führen. Und möchten Sie nichts von sich preisgeben, erzählt Ihr(e) Telefonpartner(in) Ihnen bestimmt gern die ein oder andere Geschichte.

Heimwegtelefon: Allein unterwegs – das muss nicht sein
Foto: pixabay.com/Stefan Keller/Pech Frantisek

Ist das Telefonieren auf dem Nachhauseweg sinnvoll?

In Zeiten von Säbelzahntigern hat der Gruppenzusammenhalt unser Überleben gesichert. Konnten die gefräßigen Tierchen doch jederzeit aus dem Hinterhalt angreifen. Das erklärt, warum viele Menschen – insbesondere Frauen – sich allein auf einsamen Wegen und an düsteren Orten unwohl fühlen. Natürlich kann ein Gesprächspartner am Telefon in einer Notsituation nicht körperlich eingreifen. Doch es gibt gute Gründe, sich trotzdem für ein Telefonat mit dem Team des Heimwegtelefons auf dem Nachhauseweg zu entscheiden:

  1. Raus aus der Opferrolle

    Das Gefühl, nicht allein zu sein, hat positive Auswirkungen auf unsere Körpersprache. Fühlen wir uns gut, strahlen wir das auch aus. So schlüpfen wir – zumindest optisch – ein Stück weit aus der Opferrolle. Und Täter suchen Frauen, von denen sie möglichst wenig Gegenwehr erwarten. Ob dies der Fall ist, erkennen sie unter anderem an der Körperhaltung.

  2. Je mehr Aufmerksamkeit, desto besser

    Täter mögen keine Zeugen. Kennen wir die Person und haben ein ungutes Bauchgefühl, können wir deren vollen Namen laut aussprechen. Unverfänglich ist ein kurzer Gruß wie „Hallo XY“. Damit weiß der Mitarbeiter des Heimwegtelefons, wer uns gegenübersteht und kann diese Informationen im Notfall an die Polizei weiterleiten. Ob Bekannte oder Unbekannte unseren Weg kreuzen: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Doch die Chance auf einen reibungslosen Nachhauseweg, ist mit Zeugen am anderen Ende der Leitung größer als ohne. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass wir für den Anruf nicht unbedingt das neueste iPhone verwenden. Das könnte Begehrlichkeiten wecken, die den Täter zusätzlich auf dumme Ideen bringt.

  3. Freunde und Verwandte schonen

    Es liegt nahe, statt mit fremden Ehrenamtlern mit jemandem aus der Familie oder engen Freunden zu telefonieren. Natürlich ist das eine Alternative. Doch möchten wir unsere Lieben wirklich mitten in der Nacht behelligen, wenn es andere Möglichkeiten gibt? Handelt es sich außerdem um ängstliche Personen, könnte eine potentielle Gefahrensituation traumatische Auswirkungen haben. Die Mitarbeiter des Heimwegtelefons sind darauf geschult – unsere Familie im Regelfall nicht.

Wichtig: Während des Telefonats sollten wir unsere Umgebung trotzdem weiterhin gut im Auge haben. Auch regelmäßige Blicke nach hinten sind ratsam. Ein intensives Gespräch mit der Freundin, das unsere volle Aufmerksamkeit erfordert, ist in solch einer Situation eher kontraproduktiv.

Aktuell ist das Heimwegtelefon zu folgenden Zeiten erreichbar – deutschlandweit zum Festnetzpreis:

Hotline: 030 / 120 74 182
Sonntag – Donnerstag / 20 – 24 Uhr
Freitag und Samstag / 22 – 4 Uhr

An Feiertagen und zu besonderen Anlässen werden die Dienstzeiten entsprechend ausgeweitet. Das Team des Heimwegtelefons informiert zeitnah darüber auf ihrer Website sowie auf Facebook, Twitter und Instagram.

Die Idee des Heimwegtelefons kommt ursprünglich aus Schweden – in Stockholm gibt es solch eine Hotline schon lange. Dort ist sie jedoch nicht in privater Hand, sondern eine offizielle Einrichtung der dortigen Polizei. Da dies in Deutschland offenbar keinen Zuspruch fand, haben die Gründerinnen die Sache selbst ins Rollen gebracht.

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Sicher nach Hause kommen mit dem Heimwegtelefon – die Hotline für deinen Schutz

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ÜBER DIE AUTORIN

Tara Riedman ist freiberufliche Online-Redakteurin, Texterin und Autorin im Unterhaltungs-/Sachbuchbereich. Darüberhinaus leitet sie Kurse für Frauen Selbstbehauptung/Selbstverteidigung und ist als Trainerin in Sachen Gewaltprävention im Kinder- und Jugendbereich tätig.

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