In der Selbstverteidigung gibt es elementare Basics, die Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Selbstschutz sind. Der stabile Stand ist eines davon. Nur wenn wir richtig stehen, können wir uns aus Griffen befreien und uns in Sicherheit bringen.

Richtig stehen in der Selbstverteidigung – eines der wichtigsten Basics
Foto: pixabay.com/PublicDomainArchive/Tara Riedman

Ohne Stabilität funktioniert die beste Technik nicht

Wofür brauchen wir einen festen Stand? Die Antwort liegt nahe: Damit wir nicht umfallen. Glücklicherweise bekommen das die meisten auch ohne YouTube und Blog-Artikel hin – zumindest, solange keine „Störungen“ von außen ins Spiel kommen wie zum Beispiel das Schubsen oder Ziehen. Ist es in gemütlicher Runde mit Freunden völlig in Ordnung, wenn wir einmal mit geschlossenen oder lässig überkreuzten Beinen dastehen, wird es in einer Notsituation zum No-Go. Mit der „Verankerung“ zum Boden stehen und fallen unsere Verteidigungsmöglichkeiten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Der stabile Stand allein hilft uns zwar nicht aus der Misere, ist aber die Grundlage für alles Weitere. Selbstverteidigungstechniken funktionieren nur, wenn wir im Gleichgewicht bleiben und nicht zu Boden gehen. Denn dort wollen wir auf keinen Fall hin. Es ist die denkbar ungünstigste Lage in einer brenzligen Situation. Die Verteidigung ist erschwert, wir können nicht mehr fliehen – und Flucht ist im Ernstfall immer die erste Wahl.

Intuitiv zur richtigen Position

Wie sieht der stabile Stand also aus? Tatsächlich gehen wir alle intuitiv in die richtige Position, wenn wir von hinten leicht geschubst werden. Wir machen mit einem Bein einen Ausfallschritt, um uns zu stabilisieren. Nun denkt manch einer sicher: Wenn das ohnehin automatisch geschieht, wo ist dann das Problem? Das entsteht, sobald aus dem leichten Rempeln ein fester Stoß wird – egal, ob er von vorn, von der Seite oder von hinten kommt. Stehen wir in diesem Moment nicht bereits stabil, verlieren wir das Gleichgewicht und haben unserem Gegenüber nicht mehr viel entgegenzusetzen.

Wahrnehmung schulen

Ein häufiger Einwand an dieser Stelle ist, dass wir bei einem Angriff von hinten keine Möglichkeit haben, uns zu positionieren, da wir ihn nicht kommen sehen. Das ist grundsätzlich richtig. Achten wir jedoch im Vorfeld bewusst auf die Umgebung und hören auf unseren Instinkt, gibt es dennoch eine Chance. Die Schulung der Wahrnehmung und des Bauchgefühls ist ein wichtiges Thema in der Gewaltprävention. So können wir einige unangenehme Situation abwenden, ehe sie überhaupt eintreten. Übergriffe geschehen selten aus dem Blauen heraus. Häufig liegt vorher „etwas in der Luft“. Leider ist das Gefühl dafür vielen Menschen abhandengekommen – ein Ergebnis der schnelllebigen Zeit und ungefilterten Informationsflut. Doch mit ein wenig Übung erobern wir es zurück.

Grundlagen der Selbstverteidigung: Richtig stehen und deeskalierende Haltung einnehmen
Foto: Tara Riedman

Das Bauchgefühl – der innere Kompass

Fass- oder Schubsangriffe entstehen meist nicht überfallartig und hinterrücks aus dem Nichts, sondern bahnen sich verbal und mithilfe der Körpersprache unseres Gegenübers an. Auch hier ist das angeborene Bauchgefühl ein guter Ratgeber. Es schickt uns in potentiellen Gefahrensituationen ein Warnsignal, das wir auf keinen Fall ignorieren sollten. Dieser Weckruf leitet uns von der grünen Ampelphase, in der noch alles in Ordnung ist, weiter zur gelben Phase, in der bereits erhöhte Wachsamkeit ratsam ist.

Richtig stehen ist kein Hexenwerk

Um stabil zu stehen, positionieren wir uns in einer etwa schulterbreiten Schrittstellung, gehen leicht in die Knie und halten den Oberkörper möglichst mittig. Nähert sich jemand und das Bauchgefühl schlägt Alarm, nehmen wir unsere Hände zum Schutz sofort hoch. Natürlich nicht mit geballten Fäusten, sondern indem wir sie beschwichtigend anheben, gleichzeitig den stabilen Stand einnehmen und denjenigen auffordern, stehenzubleiben. Wie genau das ausschaut, sehen Sie in diesem YouTube-Video. Aus dieser Position heraus können wir auch auf weiterführende Belästigungen reagieren. Die Ausprägung ist abhängig von der Eskalationsstufe – also wie zudringlich jemand wird.

Gut zu wissen: Bei der direkten Ansprache sollten wir den Täter immer Siezen, auch wenn er wesentlich jünger ist als wir selbst. Damit ist jedem Umstehenden sofort klar, dass wir denjenigen nicht kennen, und dass es sich nicht um einen Ehestreit handelt.

Probieren Sie den stabilen Stand zu Hause aus und spielen die Situation mit einer Freundin oder Ihrem Partner nach. Richtig hinstellen, Körperspannung aufbauen und von allen Seiten schubsen lassen. Beginnen Sie vorsichtig. Wie fühlt es sich an? Können Sie das Gleichgewicht halten? Wenn es nicht auf Anhieb klappt, nehmen Sie es nicht zu schwer und machen einfach weiter. Denken Sie immer daran: Nur wer aufgibt, verliert. Wer dranbleibt, wird es schaffen!

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Stabiler Stand – ein wesentliches Basic in der Selbstverteidigung

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ÜBER DIE AUTORIN

Tara Riedman ist freiberufliche Online-Redakteurin, Texterin und Autorin im Unterhaltungs-/Sachbuchbereich. Darüberhinaus leitet sie Kurse für Frauen Selbstbehauptung/Selbstverteidigung und ist als Trainerin in Sachen Gewaltprävention im Kinder- und Jugendbereich tätig.

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